Kurz vorab die direkte Antwort: Der Stromverbrauch im Leerlauf macht in einem normalen Haushalt etwa 5 bis 10 Prozent der gesamten Stromrechnung aus. Das sind je nach Wohnsituation 30 bis 150 Euro pro Jahr, die du buchstäblich ans Stromnetz verschenkst. Die gute Nachricht: Mit ein paar einfachen Handgriffen kannst du den Großteil davon zurückholen, ohne irgendwo auf Komfort zu verzichten.
In der Fachsprache nennt man das Ganze auch Standby-Verbrauch, Leerlaufverluste oder im Englischen „Phantom Load“. Gemeint ist immer dasselbe: Geräte, die scheinbar aus sind, aber trotzdem Strom ziehen. Manche heimlich, manche ziemlich offensichtlich.
Was bedeutet Leerlauf eigentlich genau?
Leerlauf heißt nicht zwingend „aus“. Es gibt mehrere Zustände, in denen ein Gerät Energie zieht, ohne dass du es aktiv benutzt:
- Standby: Das Gerät wartet auf ein Signal, zum Beispiel von der Fernbedienung.
- Schein-Aus: Es wirkt ausgeschaltet, aber das Netzteil bleibt aktiv. Typisch bei TVs ohne echten Netzschalter.
- Vernetzter Standby: Router, Smart-TVs oder Konsolen halten ständig die Verbindung zum WLAN aufrecht.
- Display-Standby: Mikrowelle, Backofen oder Kaffeemaschine zeigen eine Uhrzeit an und ziehen dafür dauerhaft Strom.
Seit Mai 2025 schreibt die EU strengere Grenzwerte vor: maximal 0,5 Watt ohne Anzeige, 0,8 Watt mit Anzeige und bis zu 7 bis 8 Watt für vernetzte Geräte. Klingt wenig, ist aber 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr.
Die größten heimlichen Stromfresser im Überblick
Damit du eine realistische Vorstellung bekommst, hier eine Übersicht der typischen Verdächtigen. Die Werte basieren auf öffentlichen Messdaten und Herstellerangaben, gerechnet mit einem Strompreis von 0,35 € pro kWh:
| Gerät | Leerlauf-Verbrauch | Pro Jahr (24/7) | Kosten/Jahr |
|---|---|---|---|
| WLAN-Router / Repeater | 5–15 W | 45–130 kWh | 16–45 € |
| TV + Soundbar | 0,5–5 W | 10–40 kWh | 4–14 € |
| Set-Top-Box / Kabel-Receiver | 5–20 W | 50–150+ kWh | 18–50+ € |
| PC, Monitor, Drucker | 2–10 W | 20–80 kWh | 7–28 € |
| Spielkonsole (z. B. PS5) | 1–15 W | 10–130 kWh | 4–45 € |
| Mikrowelle / Backofen mit Uhr | 1–7 W | 10–60 kWh | 4–21 € |
| Kaffeemaschine | 1–5 W | 10–45 kWh | 4–16 € |
| Steckendes Ladegerät | 0,5–5 W | 5–40 kWh | 2–14 € |
| Waschmaschine / Trockner | 1–5 W | 10–45 kWh | 4–16 € |
| Smart Speaker | 0,5–3 W | 5–25 kWh | 2–9 € |
| Aquarium / Wasserbett | 10–50+ W | 90–400+ kWh | 30–140+ € |
Wenn du das alles zusammenrechnest, kommen in vielen Wohnungen leicht 100 bis 300 kWh pro Jahr zusammen, nur durch Leerlauf. Bei einer vierköpfigen Familie mit viel Technik gerne auch mehr.
Warum ziehen Geräte überhaupt Strom, wenn sie aus sind?
Das hat verschiedene Gründe, und die meisten sind tatsächlich technisch nachvollziehbar:
- Bereitschaft für die Fernbedienung: Damit der TV per Knopfdruck angeht, muss ein winziger Sensor aktiv bleiben.
- Netzwerk-Funktionen: Smart-TVs, Konsolen und Router halten WLAN, Bluetooth oder Ethernet ständig offen.
- Updates im Hintergrund: Viele Geräte ziehen nachts Firmware-Updates.
- Display-Anzeigen: Eine leuchtende Uhr am Herd braucht zwar nur 1 bis 2 Watt, aber eben rund um die Uhr.
- Schlecht konstruierte Netzteile: Vor allem ältere Modelle bleiben warm, auch wenn nichts angeschlossen ist.
Faustregel: Alles, was warm wird oder leuchtet, zieht Strom. Auch ein Handy-Ladegerät ohne Handy dran.
So findest und stoppst du die heimlichen Kosten
Jetzt der praktische Teil. Hier kommen die Schritte, mit denen du deinen Stromverbrauch im Leerlauf wirklich in den Griff bekommst.
1. Strommessgerät besorgen. Ein Zwischenstecker-Messgerät kostet etwa 15 bis 25 Euro und ist die ehrlichste Methode. Du steckst es zwischen Steckdose und Verbraucher und siehst sofort, was wirklich gezogen wird. Wenn du ein Smart-Home-System hast, geht das auch mit Smart Plugs von Shelly oder TP-Link Tapo.
2. Steckdosenleisten mit Schalter. Klassisch, günstig, effektiv. Alles rund um den Fernseher (TV, Receiver, Konsole, Soundsystem) kommt auf eine Leiste. Abends ein Klick, und das ganze Wohnzimmer ist vom Netz.
3. Smart Plugs mit Zeitschaltung. Praktisch für den Router: Wenn niemand zwischen 1 und 6 Uhr morgens online ist, kannst du ihn automatisch abschalten lassen. Das spart locker 20 bis 40 kWh im Jahr.
4. Ladegeräte konsequent ausstecken. Klingt banal, summiert sich aber. Vor allem alte Netzteile sind echte Dauerzieher.
5. Geräte mit echtem Netzschalter bevorzugen. Beim Neukauf lohnt ein Blick auf der Rückseite: Ein mechanischer Schalter trennt das Gerät komplett vom Netz, ohne dass du den Stecker ziehen musst.
6. Eco-Modus aktivieren. Viele Router, Konsolen und TVs haben einen Energiesparmodus, der ab Werk nicht aktiv ist. Lohnt sich ein Blick ins Menü.
EU-Label und Ökodesign: Was hat sich geändert?
Seit März 2021 gilt das neue EU-Energielabel mit der Skala A bis G. Die alten Klassen A+, A++ und A+++ sind weg, weil sie kaum noch aussagekräftig waren. Heute landen viele Geräte, die früher A+++ hatten, plötzlich nur noch bei C oder D. Das ist Absicht, damit echter technischer Fortschritt sichtbar wird.
Auf dem Label findest du:
- Jahresverbrauch in kWh
- QR-Code zur EPREL-Datenbank mit allen technischen Details
- Piktogramme zu Wasserverbrauch, Lautstärke und teils zur Reparierbarkeit
Seit 2025 müssen auch Smartphones und Tablets das Label tragen, inklusive eines Reparierbarkeitsindex. Ab Mai 2026 kommen die neuen einheitlichen Energieausweise für Gebäude dazu.
Vor- und Nachteile beim Kampf gegen Leerlauf
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| 50 bis 150 € Ersparnis pro Jahr | Etwas Aufwand am Anfang |
| Längere Lebensdauer der Geräte | Smart-Home-Funktionen teils eingeschränkt |
| Weniger Brandrisiko durch dauerhaft heiße Netzteile | Router-Abschaltung stört Updates nachts |
| Besser fürs Klima | Manche Geräte starten langsamer neu |
Häufige Fehler, die du vermeiden solltest
- Kühlschrank ausstecken im Urlaub. Klingt logisch, ist aber nur sinnvoll, wenn er auch wirklich leer und offen steht. Sonst gibt es Schimmel.
- Alles auf eine Leiste, auch Router. Wenn der Router täglich aus geht, brauchen manche Provider länger zum Neusynchronisieren.
- Nur auf große Geräte schauen. Oft sind es die kleinen Dauerläufer wie Uhr-Displays, die summa summarum mehr ziehen.
- Altgeräte mit Label-Klasse A behalten. Ein 15 Jahre altes A-Gerät ist heute oft schlechter als ein neues D-Gerät.
FAQ zum Stromverbrauch im Leerlauf
Je nach Anzahl der Geräte und Strompreis kommst du auf 30 bis 150 Euro. In einem voll ausgestatteten Haushalt mit Smart-Home, Konsole und mehreren TVs auch deutlich mehr.
Schlimm im Sinne von gefährlich nicht, solange das Netzteil intakt ist. Aber es zieht je nach Modell 0,5 bis 5 Watt dauerhaft. Über ein Jahr macht das 2 bis 14 Euro pro Ladegerät.
Ja, das funktioniert problemlos. Du verpasst höchstens automatische Updates, die kannst du aber meistens auf eine andere Zeit legen. Achtung bei VoIP-Telefonie: Wenn der Router aus ist, geht auch das Festnetz nicht.
Mit einem Zwischensteckmessgerät. Stecke es zwischen Steckdose und Gerät, lass es mindestens 24 Stunden dran und schau dir den kWh-Wert an. Daraus kannst du den Jahresverbrauch hochrechnen.
Bei großen Dauerläufern wie Kühlschrank oder Gefriertruhe meistens ja. Ein altes Modell mit 300 kWh gegen ein neues mit 150 kWh spart rund 50 Euro im Jahr und macht sich oft nach 5 bis 8 Jahren bezahlt.
Fazit
Der Stromverbrauch im Leerlauf ist kein Mythos, sondern ein echter Kostenfaktor. Mit Messgerät, schaltbarer Steckdosenleiste und etwas Aufmerksamkeit beim Neukauf holst du dir locker 50 bis 150 Euro pro Jahr zurück. Das ist nicht spektakulär, aber solide und nachhaltig. Und je teurer Strom in Zukunft wird, desto mehr lohnt sich der Aufwand. Fang einfach mit dem WLAN-Router und der TV-Ecke an, das sind die dicksten Brocken in fast jedem Haushalt.


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