Kurz vorab: Die Grundversorgung ist der gesetzlich geregelte Basistarif deines lokalen Stromanbieters. Sie sorgt dafür, dass du immer Strom bekommst, ist dafür aber meistens deutlich teurer als ein normaler Wechseltarif. Wer hier dauerhaft hängen bleibt, zahlt im Schnitt 400 bis 700 Euro pro Jahr mehr als nötig.
In diesem Ratgeber bekommst du eine ehrliche Übersicht über die Vorteile und Nachteile, die aktuellen Kosten im Jahr 2026 und konkrete Tipps, wann sich der Tarif lohnt und wann du besser wechselst.
Was ist die Grundversorgung überhaupt?
Jeder Haushalt in Deutschland hat einen gesetzlichen Anspruch auf Stromlieferung. Wenn du in eine neue Wohnung ziehst und keinen eigenen Vertrag abschließt, landest du automatisch in der Grundversorgung des örtlichen Anbieters. Das sind meistens die Stadtwerke oder ein großer Regionalversorger.
Du rutschst typischerweise in folgenden Fällen rein:
- Du ziehst um und kümmerst dich nicht aktiv um einen Stromvertrag
- Dein bisheriger Anbieter geht insolvent
- Dein Wechselantrag wird abgelehnt (z. B. bei schlechter Bonität)
- Du hast noch nie aktiv gewechselt
Der Clou: Sobald du Strom verbrauchst, also einfach das Licht anmachst oder den Wasserkocher anschmeißt, kommt automatisch ein Vertrag zustande. Die Bankverbindung gibst du beim ersten Anschreiben des Anbieters an, der Stromzähler ist deiner Adresse zugeordnet und so findet dich der Anbieter problemlos.
Wichtig zu wissen: Der Grundversorger ist gesetzlich verpflichtet, dich zu beliefern. Diese sogenannte Kontrahierungspflicht ist auch der Grund, warum der Tarif relativ teuer kalkuliert ist, denn der Anbieter trägt das Risiko, dass auch zahlungsschwache Haushalte versorgt werden müssen.
Aktuelle Kosten in der Grundversorgung 2026
Die Preise haben sich seit der Energiekrise wieder etwas beruhigt, liegen aber immer noch spürbar über den günstigen Wechseltarifen. Aktuell zahlst du im Durchschnitt:
- Grundversorgung: ca. 40 bis 43 Cent pro kWh
- Durchschnitt aller Haushaltstarife: rund 37 Cent pro kWh
- Günstige Wechseltarife: zwischen 23 und 28 Cent pro kWh
Dazu kommt ein monatlicher Grundpreis, der je nach Region zwischen 10 und 15 Euro liegt.
Beispielrechnung für einen 4-Personen-Haushalt (4.000 kWh/Jahr)
| Tariftyp | Preis pro kWh | Kosten pro Jahr | Ersparnis |
|---|---|---|---|
| Grundversorgung | ca. 42 ct | 1.650 – 1.750 € | – |
| Durchschnittstarif | ca. 37 ct | 1.400 – 1.500 € | bis 250 € |
| Günstiger Wechseltarif | ca. 25 ct | 950 – 1.100 € | bis 700 € |
Du siehst: Allein durch einen Wechsel sind locker mehrere Hundert Euro pro Jahr drin. Je höher dein Verbrauch, desto größer wird der Hebel.
Vorteile und Nachteile der Grundversorgung
Damit du ein realistisches Bild bekommst, hier die wichtigsten Punkte ehrlich gegenübergestellt.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Automatische Versorgung ohne Vertragsabschluss | Deutlich höhere Preise (oft 30 bis 70 % teurer) |
| Sehr kurze Kündigungsfrist von nur 2 Wochen | Keine echte Preisgarantie |
| Sonderkündigungsrecht bei Preiserhöhungen | Strommix meist konventionell, wenig Ökostrom |
| Keine Bonitätsprüfung, jeder bekommt Strom | Keine Wechselboni oder Neukundenrabatte |
| Lokaler Anbieter mit Service vor Ort | Preiserhöhungen oft mehrmals pro Jahr möglich |
| Lückenlose Absicherung bei Anbieterinsolvenz | Auf Dauer schlicht zu teuer |
Wann die Grundversorgung Sinn macht
Sie ist eine super Übergangslösung, wenn du gerade umgezogen bist und im Stress noch keine Zeit für einen Tarifvergleich hattest. Du hast Strom, kannst in Ruhe vergleichen und mit zwei Wochen Frist jederzeit zu einem günstigeren Anbieter wechseln.
Auch wenn du extrem flexibel bleiben willst, weil du z. B. nur für ein paar Monate in einer Wohnung lebst, kann der Basistarif okay sein. Für dauerhafte Nutzung gibt es aber kaum ein Argument.
Häufige Fehler, die richtig Geld kosten
Aus Erfahrungsberichten und Beratungsfällen tauchen immer wieder dieselben Stolperfallen auf:
- Jahrelang in der Grundversorgung bleiben: Viele Haushalte denken, sie hätten „ihren“ Stromanbieter und wissen gar nicht, dass sie im teuersten Tarif stecken.
- Nur auf den Arbeitspreis schauen: Der Grundpreis pro Monat macht je nach Verbrauch einen großen Unterschied.
- Auf extreme Lockangebote reinfallen: Manche Billiganbieter locken mit hohen Boni im ersten Jahr und werden danach teuer. Eine Preisgarantie von mindestens 12 Monaten ist Pflicht.
- Preiserhöhungsschreiben ignorieren: Bei jeder Erhöhung hast du ein Sonderkündigungsrecht. Das solltest du nutzen.
- Vorkasse-Tarife buchen: Wenn der Anbieter insolvent geht, ist dein Geld weg. Finger weg.
So wechselst du raus aus der Grundversorgung
Der Wechsel ist unkompliziert und dauert keine 10 Minuten:
- Letzte Stromrechnung raussuchen (Verbrauch in kWh und aktuellen Preis checken)
- Auf Vergleichsportalen wie Check24, Verivox oder Finanztip vergleichen
- Tarif mit max. 12 Monaten Laufzeit, 6 Wochen Kündigungsfrist und 12 Monaten Preisgarantie wählen
- Online abschließen, den Rest erledigt der neue Anbieter
Du musst weder kündigen noch dich beim alten Versorger abmelden, der neue Anbieter macht das automatisch. Eine Versorgungslücke ist ausgeschlossen, weil im Zweifel wieder die Grundversorgung greift.
FAQ zur Grundversorgung
Ja. Sobald du Energie verbrauchst, kommt ein Vertrag mit dem örtlichen Grundversorger zustande. Du solltest dich aber innerhalb der ersten Wochen aktiv melden und Zählerstand sowie deine Daten mitteilen, sonst gibt es später Ärger bei der Abrechnung.
Es gibt keine Begrenzung. Du kannst dort theoretisch dein Leben lang bleiben. Finanziell macht das aber kaum Sinn, weil du jedes Jahr deutlich draufzahlst.
In den allermeisten Fällen ja. Während der Energiekrise gab es kurz eine Phase, in der Stadtwerke günstiger waren als neue Wechselangebote, weil sie langfristig eingekauft hatten. Diese Ausnahme ist 2026 vorbei. In Einzelfällen kann der lokale Grundversorger bei extrem niedrigem Verbrauch konkurrenzfähig sein, das ist aber selten.
Bei der Grundversorgung kannst du mit nur zwei Wochen Frist jederzeit raus. Bei normalen Wechseltarifen sind es meist 4 bis 6 Wochen am Ende der Laufzeit.
Nein, der Standardmix enthält in der Regel einen hohen Anteil fossiler Energien. Wenn dir grüner Strom wichtig ist, brauchst du einen aktiven Wechsel zu einem zertifizierten Ökostromtarif.
Der Anbieter muss die Erhöhung mindestens sechs Wochen vorher ankündigen. Du hast dann ein Sonderkündigungsrecht und kannst sofort zu einem günstigeren Tarif wechseln.
Fazit
Die Grundversorgung ist ein praktisches Sicherheitsnetz, aber keine gute Dauerlösung. Sie sorgt dafür, dass du immer Strom hast, kostet dich aber spürbar mehr Geld als nötig. Die Vorteile liegen klar in der Flexibilität und der automatischen Belieferung, die Nachteile beim Preis und der fehlenden Preisgarantie.
Wenn du gerade umgezogen bist, nutze die Grundversorgung ein paar Wochen als Puffer und kümmere dich dann in Ruhe um einen besseren Tarif. Wer schon länger dort hängt, sollte spätestens heute vergleichen, der Wechsel ist in 10 Minuten erledigt und spart oft mehrere Hundert Euro im Jahr.
Mehr zum Thema findest du in unseren Ratgebern zum Stromanbieter wechseln, zur Strompreisentwicklung 2026 und zum Ökostrom-Vergleich.


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