Als Mieter kannst du weder die Heizungsanlage tauschen noch mal eben eine neue Küche einbauen. Trotzdem hast du deine Stromrechnung stärker in der Hand, als du vielleicht denkst. Strom sparen in der Mietwohnung: Tipps auch ohne eigene Geräte bedeutet vor allem eines: kluge Gewohnheiten statt teurer Neuanschaffungen.

Der Zähler unterscheidet nämlich nicht, ob du Eigentümer bist oder zur Miete wohnst. Er zählt einfach jede Kilowattstunde, und bei rund 0,37 Euro pro kWh summiert sich das schnell.

Der größte Hebel in vielen Mietwohnungen ist das Warmwasser. Wenn bei dir ein Durchlauferhitzer oder ein Untertischboiler das Wasser erwärmt, läuft ein ordentlicher Teil deiner Stromkosten direkt durch den Duschkopf. Eine kleine Rechnung dazu: Duschst du täglich acht Minuten mit einem normalen Duschkopf, fließen etwa 96 Liter warmes Wasser. Das kostet über einen elektrischen Durchlauferhitzer rund 1,5 kWh pro Duschgang. Aufs Jahr gerechnet sind das etwa 550 kWh. Bei 0,37 Euro pro kWh landest du bei gut 200 Euro nur fürs Duschen.

Sparduschkopf
Ein Sparduschkopf halbiert den Wasserdurchfluss, ohne dass sich der Strahl schwach anfühlt. Er mischt Luft ins Wasser und kostet im Baumarkt oft weniger als 20 Euro. Die Ersparnis: bis zu 100 Euro pro Jahr, und das Teil ziehst du beim Auszug einfach wieder ab. Genehmigung vom Vermieter brauchst du dafür nicht.

Der zweite Warmwasser-Trick kostet gar nichts: Hände kalt waschen. Beim kurzen Händewaschen springt sonst jedes Mal der Boiler an, obwohl warmes Wasser dabei keinen echten Vorteil bringt. Stell den Einhebelmischer einfach dauerhaft auf kalt. Auch beim Einseifen unter der Dusche lohnt es sich, das Wasser kurz abzustellen. Das klingt nach Kleinkram, spart aber rund 30 Prozent Energie und Wasser pro Duschgang.

Falls du einen Untertischspeicher im Bad oder in der Küche hast: Prüfe die eingestellte Temperatur. Mehr als 60 Grad muss dort nicht sein. Und wenn du warmes Wasser an einer Zapfstelle praktisch nie brauchst, etwa im Gäste-WC, kannst du den Speicher dort komplett abschalten. Eine simple Zeitschaltuhr für wenige Euro sorgt dafür, dass der Boiler nur dann heizt, wenn du wirklich zu Hause bist.

Standby, Licht und Elektronik: Hier läuft dein Zähler heimlich weiter

Fernseher, Router, Konsole, Kaffeemaschine: Vieles davon ist nie wirklich aus, sondern wartet im Ruhemodus. Was das kostet, unterschätzen die meisten Haushalte massiv. Kommen in deiner Wohnung 25 Watt Dauer-Standby zusammen, sind das 0,025 kW × 24 h × 365 Tage = 219 kWh pro Jahr. Mal 0,37 Euro macht das rund 81 Euro für exakt nichts. Wie du diese Kosten für deine eigene Wohnung ausrechnest, zeigt dir der Artikel zum Standby-Stromverbrauch Schritt für Schritt.

Die Lösung ist unspektakulär und genau deshalb so gut: schaltbare Steckdosenleisten. Eine Leiste hinter dem Fernseher, eine am Schreibtisch, und du trennst abends mit einem Klick alles vom Netz. Ladekabel fürs Handy gehören ebenfalls aus der Steckdose, sobald der Akku voll ist. Wenn du herausfinden willst, welche Ecke deiner Wohnung am meisten zieht, hilft dir die Anleitung zum Stromfresser finden weiter.

Beim Licht gilt: LED statt alter Glühbirnen, und zwar konsequent in jeder Fassung. Eine 60-Watt-Glühbirne, die drei Stunden am Tag brennt, kostet dich im Jahr etwa 24 Euro. Die gleiche Helligkeit liefert eine 7-Watt-LED für unter 3 Euro Stromkosten. Pro Lampe sparst du also gut 20 Euro jährlich, bei zehn Lampen entsprechend mehr. LEDs nimmst du beim Umzug einfach mit.

Auch in der Küche steckt Sparpotenzial ganz ohne Neukauf. Koche immer mit Deckel, nutze die passende Plattengröße und schalte den Herd ein paar Minuten früher aus, denn die Restwärme gart dein Essen fertig. Den Backofen musst du für Pizza oder Aufläufe nicht vorheizen. Beim Kühlschrank reichen 7 Grad völlig aus, und ein vereistes Gefrierfach solltest du abtauen, weil die Eisschicht den Verbrauch spürbar nach oben treibt. Was dein Kühlschrank übers Jahr wirklich kostet, rechnet dir der Beitrag zum Stromverbrauch vom Kühlschrank vor.

Beim Waschen sparst du am meisten über die Temperatur: 30 Grad statt 60 Grad halbiert grob den Energiebedarf pro Waschgang, weil der Löwenanteil ins Aufheizen des Wassers geht. Details dazu findest du im Artikel zum Stromverbrauch der Waschmaschine. Und die Wäsche danach? Ab auf den Wäscheständer. Ein Trockner zieht pro Durchlauf schnell 2 kWh, bei 100 Durchläufen sind das 74 Euro im Jahr, die du dir komplett schenken kannst.

Heizen, Tarif und deine Rechte als Mieter

Auch beim Heizen entscheidet dein Verhalten mit. Senkst du die Raumtemperatur um nur 1 Grad, sparst du etwa 6 Prozent Heizenergie. Statt Fenster dauerhaft zu kippen, lüfte lieber 3 bis 5 Minuten mit weit offenem Fenster. So kommt Feuchtigkeit raus, ohne dass die Wände auskühlen. Programmierbare Thermostate darfst du als Mieter selbst montieren. Bewahre die alten Regler nur gut auf, denn sie gehören zur Wohnung und kommen beim Auszug wieder dran.

Der schnellste Spareffekt kommt oft gar nicht vom Verhalten, sondern vom Tarif. Wer seit Jahren im gleichen Vertrag oder in der Grundversorgung steckt, zahlt häufig deutlich mehr als nötig. Ein Vergleich über Portale wie Check24 oder Verivox dauert zehn Minuten und bringt je nach Verbrauch schnell 100 bis 200 Euro pro Jahr.

Und noch ein Punkt, den viele Mieter nicht kennen: Du hast einen Anspruch auf ein Balkonkraftwerk. Seit der Gesetzesänderung dürfen Vermieter eine Steckersolar-Anlage nur noch aus triftigen Gründen ablehnen. Ein Modul am Balkongeländer erzeugt je nach Ausrichtung 400 bis 600 kWh im Jahr. Verbrauchst du davon 350 kWh selbst, sparst du 350 × 0,37 = knapp 130 Euro jährlich.

Die wichtigsten Maßnahmen im Überblick:

MaßnahmeEinmalige KostenErsparnis pro Jahr
Sparduschkopfca. 20 €bis zu 100 €
Schaltbare Steckdosenleistenca. 15 €ca. 80 €
LED statt Glühbirnen (10 Stück)ca. 30 €ca. 200 €
Wäscheständer statt Trockner0 €ca. 74 €
30-Grad-Wäsche0 €ca. 25 €
Tarifwechsel0 €100 bis 200 €
Muss ich den Vermieter fragen, bevor ich etwas ändere?

Für Sparduschkopf, LEDs, Steckdosenleisten und Thermostate: nein. Alles davon ist rückbaubar und gehört zum normalen Gebrauch der Wohnung. Nur beim Balkonkraftwerk musst du die Montage anmelden, ablehnen darf der Vermieter sie aber nur in Ausnahmefällen.

Wie merke ich, ob meine Maßnahmen wirken?

Lies deinen Zähler an einem festen Tag im Monat ab und notiere den Stand. Nach zwei bis drei Monaten siehst du schwarz auf weiß, wie stark dein Verbrauch gefallen ist.

Was bringt am meisten, wenn ich nur eine Sache umsetze?

Bei elektrischer Warmwasserbereitung klar der Sparduschkopf. Kommt dein Warmwasser aus der Zentralheizung, ist der Tarifwechsel kombiniert mit konsequentem Abschalten des Standby-Betriebs dein stärkster Hebel.

Rechnest du alles zusammen, kommst du in einer typischen Mietwohnung locker auf 200 bis 400 Euro Ersparnis pro Jahr. Ganz ohne Bohrmaschine, ohne Streit mit dem Vermieter und ohne dass du auf irgendetwas verzichten musst.

🏷️ Tags: , , , ,

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert